Technoide Göttin

R E V I E W

Haumea“: GIGANTISCHE Klangflächen, knisternde Beats

Florian Koch: „Haumea“ (TALIS, 12/2019) –

Ein hervorragendes Album

[TALIS 009] Florian Koch - Haumea

Mit einem mystischen Klangteppich, unterlegt von Florian-Koch-typischen Beats, beginnt der neue Longplayer aus dem Hause TALIS namens „Haumea“. Das neue Album von Live-Act, Producer und TALIS-Artist Florian Koch. Was ist typisch für den IDM/Minimal/Deep-House-Durchstarter aus Innsbruck und Leipzig? Sein Markenzeichen: Durchdachte minimalistische Drums mit satten Snares, die dennoch leise schreien „Let’s get it on the Dancefloor“. Seine Skills hat der gebürtige Thüringer schon auf diversen Releases unter Beweis gestellt. Allein für sein Label TALIS hat er mittlerweile schon vier Veröffentlichungen beigetragen.

Zurück zum aktuellen Album von Florian Koch: Auf dem ersten Track der LP ist „Nebula“ zu hören – und ein weiteres Trademark des Musikers deutlich zu erkennen. Nämlich bestens komponierte Melodien, in die man regelrecht versinken kann. Kein Wunder: „Schon immer fasziniert vom Kosmos der Klänge, begann er im Alter von 12 Jahren Keyboard zu spielen“, heißt es auf der TALIS-Künstlerpage zum Label-Artist Florian Koch.

Übrigens: Haumea – der Albumtitel – ist die Bezeichnung für die Gottheit der Fruchtbarkeit auf der Insel Hawaii. Blick ins Album. Blick auf „Haumea“ Teil Eins und Zwei: Die beiden Tracks gehören zu den Highlights auf dem gleichnamigen Album. Wummernde Bässe, schön ausgewählte 808-Töne und ein Arrangement, das Sven Väth zur Ehre gereichen würde, zeichnen die beiden starken Stücke auf dem Langspieler aus. Interessant ist der Stilbruch von „Haumea Part 1“ zu „Haumea Part 2“. Denn der zweite Teil verzaubert mit märchenhaften Melodien und Layern.

Gigantische Klangflächen, eingängige Melodien, knisternde Beats und „düstere“ Basslines: Auf diese Formel kann „Haumea“ von Florian Koch gebracht werden. Das Album nimmt Hörerinnen und Hörer auf eine einmalige musikalische Reise mit. Nicht nur nach Hawaii – der Musik-Globus wird einmal von Ost nach West, von Nord nach Süd abgefahren. Abgefahren!

By the way: Die beiden Titel-Tracks „Haumea Part 1 & 2“ auf der neuen Platte erfreuen sich schon seit einem Jahr großer Beliebtheit in der Electro- und DJ-Szene. Denn bereits im Dezember 2018 releaste TALIS die „Haumea, Pt. 1“ EP von Florian Koch. Ein „erster Vorgeschmack auf das 2019 erscheinende Album von Florian Koch“, gab damals das Leipziger Label in einem Pressestatement bekannt. Flankiert wurde dieser „fantastische Melodic-Techno-Track von zwei genialen Remixen“. Darunter TALIS-Artist Neo Lectro, der einen „emotional alles herausholenden“ Remix zum Florian-Koch-Klassiker beisteuerte. Dexter Curtin & Marcus Jahn glänzten mit ihrem „Haumea“-Remix „in bestem Detroit-House-Sound“. Auch TALIS-Artist Atcon Clank remixte einst „Haumea, Pt. 2“ in einem Melodic House & Techno-Remix.

Zurück zu Florian Koch: „Es sind vor allem knackige Kick-Drums und getragene Melodien die in keinem seiner Tracks fehlen dürfen, komme was wolle“, so sein Label TALIS auf der Künstler-Page über ihn.

Was beim weiteren Anhören seines neuen Albums ins Ohr springt: Tracks wie „Somnium“ klingen vom Soundbild her ultra-modern – und versprühen dennoch einen Oldschool-artigen Vibe. Man fühlt sich an Techno-Nummern der frühen 1990er Ära erinnert. Teilweise auch an die Hochphase der „Acid-Techno“-Epoche. Immer wieder spontan eingestreute, „alt“ klingende Samples geben dem Werk einen zusätzlichen Reiz.

Jedoch: Trotz all dieser techno-historischen Referenzen ist „Haumea“ von Florian Koch kein Retro-Stück. Die Produktionen klingen klar, zielgerichtet und entsprechen dem modernen Zeitgeist. Allerdings sollte das Werk nicht nur die junge Generation ansprechen, sondern auch ältere Techno-Generationen garantiert unterhalten.

Fazit: Das neue Album von Florian Koch ist eigentlich das Beste aus allen Welten. Es vereint verschiedenste Genres auf so kluge Weise, dass dabei die Handschrift des Florian Koch stets erkennbar bleibt. Mit der LP hat er auf jeden Fall ein Werk abgeliefert, das Beachtung finden sollte und der elektronischen Musikszene in Deutschland, Österreich und Europa vielleicht sogar neue Impulse geben kann.

Denn: Meditative Klangflächen und verträumte Melodien sind auf „Haumea“ ebenso zu finden wie nach vorn gehende Bassline-Bretter oder gesangsuntermalte Meisterwerke. Ebenso experimentiert Florian Koch sehr gern und oft mit seinem Sound-Material, was dem Hörerlebnis jedoch überhaupt keinen Abbruch tut – und garantiert auch auf dem Dancefloor, im Club oder auf einem Festival funktionieren würde. Getreu dem Motto des Leipziger Labels: „TALIS macht glücklich!“

Zum Schluss ist hervorzuheben, dass für den Autor dieser Review der absolute Favorit auf dem Album „Haumea“ von Florian Koch der 7. Track „Folk“ ist. Aus einem einfachen Grund: Ausgezeichnete Arbeit mit Vocal-Samples, eingebettet in ein überragendes Sound-Arrangement und die Umsetzung einer fantastischen Idee – all das muss einfach gelobt und gewürdigt werden. „Haumea“ ist mehr als nur ein Geheim-Tipp.

PS: Es könnte gut sein, dass Florian Kochs „Folk“ bald als exklusiver Track in einem Mix-Set der „NEW GENERATION OF TECHNO“ zu hören und zu bestaunen sein wird.

von A. Boos (DiSTrActeD B)

Florian Koch schickt mit Haumea eine technoide Göttin an das gläubige Tanzvolk und erobert damit den Dancefloor.

[TALIS 009] Florian Koch - Haumea
[TALIS 009] Florian Koch – Haumea

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